Kohle-Rekord bei Vattenfail

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEnergieriese Vattenfall gab gestern bekannt, seine Verstromung aus Braunkohle hat einen neuen Rekord erreicht. Damit untergräbt Vattenfall – durch einfaches Befolgen der aktuellen Marktlogik – direkt die Energiewende. Seit 1993 wurde nicht so viel Braunkohle in der Lausitz und Sachsen abgebaggert: über 60 Millionen Tonnen Braunkohle wurde allein 2012 abgegraben und verbrannt.

„Unsere Braunkohlenkraftwerke liefern nicht nur jede zehnte Kilowattstunde Strom, die in Deutschland verbraucht wird. Sie haben sich 2012 einmal mehr als Partner der erneuerbaren Energien erwiesen, die deren schwankende Stromeinspeisung ausregeln und die Spannung im Übertragungsnetz stabil halten können“, sagte Hartmuth Zeiß, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe Mining AG.

Damit liefert Zeiß eine halbe Lüge ab. Bisher halten die großen Kraftwerke zwar die Spannung, da sie mit ihren  rotierenden Massen die Frequenz im Stromnetz halten. Ob Erneuerbare diese erbringen können, ist derzeit noch in der Detailuntersuchung. Sicher ist aber, dass auch alte Atomkraftwerke hier vorübergehend helfen können – selbst wenn sie heruntergefahren worden sind!

Allerdings gleicht Kohle – vor allem die billige Braunkohle – keineswegs die Erneuerbaren Energien aus. Im Gegenteil: Anstatt wie flexible Kraftwerke schnell auf die Veränderungen bei der Einspeisung aus Wind und Sonne regieren zu können, sind Kohlekraftwerke sehr träge. Sie können nicht so schnell wie Gaskraftwerke hoch und runter fahren (dafür brauchen sie einige Stunden, Gaskraftwerke nur wenige Minuten). Zudem müssen Kohlekraftwerke immer mit einer Teillast am Netz sein – sie lassen sich nicht ganz aus- und wieder anschalten. Andernfalls dauert das Hochfahren noch länger (=geringe Kaltstartfähigkeit).

Braunkohle rechnet sich derzeit am Strommarkt sehr gut, weil sie heimisch ist, derzeit billig abzubauen ist und die meisten Kraftwerke längst abgeschrieben sind (d.h. ihre Investitionskosten bereits eingespielt haben). Wenn Braukohlekraftwerke aber laufen und nicht flexibel sind, dann verstopfen sie die Netze. Gerade im windreichen Ostdeutschland müssen dann Windkraftanlagen abgeregelt werden, weil die Stromleitungen nach Bayern mit dreckigem Braunkohlestrom voll sind. Dann regt sich Minister Altmaier über „Windräder, die keiner braucht“ auf. Die Leute in Thüringen wollen keine Stromleitung, weil „da ja eh nur Braunkohlestrom lang fließt“. Und die CO2-Bilanz der Bundesrepublik wird nicht besser, was ausländische Kritiker/innen dann gleich dem Atomausstieg ankreiden. Dem können wir nur entgegen wirken, wenn wir die Braunkohleverbrennung marktwirtschaftlich (z.B. CO2-Steuer) oder ordnungspolitisch (z.B. Flexibilitätsvorgaben) einschränken. Sonst hat die Energiewende wenig Erfolg.

Über GYGeorg

Global. Young. Green. Drei Eigenschaften von Georg, der lange u.a. bei den Global Young Greens (GYG) aktiv war und mittlerweile für den Kohleausstieg in Deutschland kämpft.

Veröffentlicht am Januar 24, 2013 in Allgemein und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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