Pariser COP einigt sich auf neuen Klimavertrag

Bildschirmfoto 2012-12-09 um 17.04.14Die 21. Conference of the Parties (kurz: COP-21) der UN-Klimarahmenkonvention hat nun also das geschafft, woran z.B. die Konferenz in Kopenhagen 2009 so spektakulär gescheitert ist: Es gibt einen neuen Weltklimavertrag. Diesmal sind alle Nationen der Welt dabei – ganz egal ob Industrie- oder „Entwicklungsland“. Schön. Mehr aber auch erstmal nicht.

Ganz ganz kurz zusammen gefasst:

Es ist gut, dass die ganzen Zweifelnden und Skeptiker*innen auf der Welt nun die klare Ansage bekommen haben, dass alle Staaten Klimaschutz als Priorität sehen und sich politisch dazu verpflichten. Für die globalen Märkte ist das eine klare Warnung, für viele Akteure in Politik und Gesellschaft ist es Rückenwind bzw. ein Auftrag. das ist nicht zu unterschätzen.

Es gibt aber keine globalen Klimaziele, sondern einen „bottom-up“ Ansatz: Alle Staaten legen etwas auf den Tisch und nach fünf Jahren wird geschaut, ob es reicht und nochmal der Klingelbeutel rumgegeben. Das ist zwar absolut lächerlich angesichts der Größe der Klimakrise. Doch mehr war einfach nicht zu machen, weil z.B. der US-Kongress von radikalen Republikanern beherrscht wird.

Die Erwähnung von 1.5°C als eigentlich zu erreichendes Limit hat politisch eine hohe Bedeutung. Faktisch wird es aber genau wie 2°C total schwierig, das zu erreichen. Aber wenn wir uns schon super-radikale Ziele setzen – was ich sehr gut finde, denn es erzeugt Druck! – dann doch bitte gleich die richtigen. Die Klima-Revolution brauchen wir sowieso!

Einen weiteren Vorteil hat das verbindliche Festlegen einer Obergrenze. Daraus lässt sich ein CO2-Budget erreichnen. Nicht mehr hypotethisch, sondern real! Nun müssen wir alle als Teil der Klimabewegung und Divestment-Bewegung nicht mehr im Konjuktiv sprechen – sondern im Imperativ! Über 80 Prozent der fossilen Ressourcen müssen unter der Erde bleiben. No matter what!

Gut sind auch die Ergebnisse zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen, Anpassung und „Loss & Damage“. Die vertragliche Festlegung auf eine (wenn auch implizite) Schuld des Nordens und daraus erwachsende Pflicht zur Kompensation ist in Politik und Praxis sehr viel wert. Natürlich muss da überall noch mehr geliefert werden. Natürlich müssen wir aufpassen, dass statt „frischem“ Geld nicht doppelt verrechnet wird oder über Kohlenstoff-Märkte neues Schindluder getrieben wird. Aber die Latte ist jetzt einmal ordenlich festgesetzt worden.

Der Carbon Countdown - noch 6 Jahre können wir die heutige CO2-Party weiter feiern, dann müsste Schluss sein!

Der Carbon Countdown – noch 6 Jahre können wir die heutige CO2-Party weiter feiern, dann müsste Schluss sein!

Schlecht ist, dass nicht einmal die von den G-7 Staaten bereits beschlossene „Dekarbonisierung“ Erwähnung im Paris Abkommen findet. Noch besser hätte mir eine verbindliche Ansage des Ausstieges aus fossilen Energien gefallen. Da müssen wir noch weiter Druck machen! Denn Kohle, Öl und Gas verschwinden nicht von alleine aus unserem Energiemix, sondern müssen verdrängt werden.

Das Konzept der „Emissionsneutralität“ wurde nun auf oberster politischer Ebene beschlossen. Was steht dahinter? Theoretisch dürfen wir weiter CO2 emittieren, wenn wir alles wieder einfangen und z.B. unter der Erde speichern oder durch aufgeforstete Bäume einfangen. Ob das die Tür zu einer Science-Fiction-Welt mit Geo-Engineering wird, wie manche befürchten oder sich wünschen (und hier), vermag ich nicht zu sagen. Die Potenziale (z.B. an CO2-Lagerstätten) sind begrenzt und das Ganze ist (noch) ziemlich teuer. Doch diese Hintertür für die fossile Lobby steht einen Spalt weit offen und wir müssen aufpassen, was da passiert.

Damit der weltweite Klimaschutz aber beschleunigt wird und wir wirklich noch unter 2° Celsius bleiben können, brauchen wir auf nationaler Ebene mehr Mut. In Deutschland, immerhin viertgrößte Industrienation und größter Klimasünder in der EU (welche global unter dem Top-3 rangiert!) muss daher nun der Kohleausstieg endlich angegangen werden. Doch sowohl Kanzlerin Merkel auch als Wirtschaftsminister Gabriel haben sich bis jetzt noch nichtmal zu Paris geäußert!

Die Europäische Union muss ihre völlig unambitionierten 2030-Ziele (-40% CO2) nun aber wirklich anpassen – denn sonst wird sie international immer weiter ins Hintertreffen gelangen.

Zudem braucht es mehr Offenheit, neue Politikansätze auszuprobieren. In Deutschland ist das schon einmal gelungen: mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde die Energiewende im Stromsektor losgetreten. Heute ist das Gesetz vielfach kopiert und Grund dafür, dass die Welt billigen Strom aus Sonne und Wind bekommen kann. Das EEG ist somit auch für den Erfolg von Paris mit verantworlich, so das Öko-Institut.

Mehr davon!

Über GYGeorg

Global. Young. Green. Drei Eigenschaften von Georg, der lange u.a. bei den Global Young Greens (GYG) aktiv war und mittlerweile für den Kohleausstieg in Deutschland kämpft.

Veröffentlicht am Dezember 13, 2015, in Climate Policy, GeoEngineering, Kohleausstieg. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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